Erwin Speckter, Hamburger Maler, 1831

Der schönste Ruheplatz der Welt


Ich habe das herrliche Wetter benutzt und wanderte nach der Pyramide des Cestius, die, so schmucklos sie ist, doch als Grabmal etwas Feierliches und Imponierendes hat, und wenigstens Einen fühlen und begreifen läßt, daß die himmelhohen Pyramiden, diese Gebirge von Marmor oder Granit, blos durch ihre übermenschliche Größe und schönes Verhältniß ergreifend und bewunderungswürdig sein müssen.

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Die alte Stadtmauer ist sehr malerisch, an der diese Pyramide liegt; die Aussicht, wie überall, auch hier römisch, d. h. majestätisch schön, und der protestantische Kirchhof hier am Fuß und Saum der Mauer, von Cypressen und Lorbeer umschattet, ist der schönste, oder wenigstens zum Sterben der verführerischste, den ich je gesehen. Ein Weg zwischen zwei Hecken von mannshohen, üppig wuchernden Rosmaringebüschen führt durch den Kirchhof zur Höhe, wo die Meisten begraben liegen.

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Am Ende stehen zwei Cypressen. An den Gräbern wachsen Aloen, Cactus und viele andere solche Pflanzen. Es ist eine dicke schattige Laube mit einem Steinsitz darin, aber blos von Passionsranken und an der Stadtmauer.

Die meisten Gräber haben Steine, d. h. Monumente, wovon einige nicht schlecht sind; eines, das für den verstorbenen Maler Reinhold, ist von Thorwaldsen.

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Ich habe einige wilde Hyacinthen gepflückt und auch ein Blatt von Waiblinger’s Grab. Wenn Ihr über diese Sentimentalität lächelt, mögt Ihr bedenken, daß ich ja doppelt gezwungen bin, Mitleid mit ihm zu haben, einmal da ich ihm ähnlich sein soll, und dann soll man ja dem Todten überhaupt alles vergeben und nur seines Guten gedenken. Viel Gutes hatte er aber auch. Es waren mehre Freunde, Landsleute von ihm, mit da, die in seiner Krankheit bei ihm gewacht hatten und in deren Beisein er gestorben war. Viel gewinnt der Kirchhof noch dadurch, das er so recht in Wahrheit der endliche Schutz und Zufluchtsort nach langer Verfolgung ist!

Zum Erstenmal habe ich mitleidig auf diese fanatischen Katholiken geblickt, die, ihren Himmel uns verschließend und selbst noch im Tode aus ihrer Gemeinschaft verbannend, uns den schönsten Ruheplatz in der Welt dadurch schafften.

Wir stiegen noch auf den Monte Testaccio, ein Berg, ungefähr so groß wie unser Blankeneser, aber nicht wie der aus Elbsand, sondern nur aus den Scherben Roms aufgeführt. Ich finde ganz natürlich und Roms würdig die Idee: eine Stadt, wo Jahrhunderte und Welten untergegangen, da müsse aus Schutt und Scherben sich wohl ein solcher Berg aufthürmen lassen.

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