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Louise Seidler (Fortsetzung)
| Angenehm aber ward ich überrascht, als ich
beim Emporsteigen die Villa Mills erreichte, welche auf den höchsten Teilen der Ruinen
erbaut ist. Hier blühen Rosen in üppiger Menge; sie umranken die Trümmer, verschlingen
sich zu Bögen, prangen in den Hecken und verbreiten sich wildwuchernd zwischen den
Blumenbeeten. Von diesem Standpunkte aus genossen die Kaiser den Anblick der Spiele, die
unten im Circus maximus gehalten wurden. |
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Lange weidete ich mich sinnend an der Rundschau, dann
stieg ich hinab nach dem alten Forum. Hier konzentrierte sich das öffentliche Leben der
Staatsbürger; hier standen die Tempel, deren ungeheure Trümmer wir noch jetzt bewundern;
hier ist noch die Tribüne, von der herab gewaltige Reden ertönten.
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Drei noch wohl erhaltene
Triumphbögen steigen empor auf diesem merkwürdigsten aller Plätze; der des Septimus
Severus dicht unter dem Capitol, der des Constantin nahe am Colosseum, und endlich der des
Titus am Palatin. |
| Innerhalb des Titusbogens befinden sich
Bruchstücke eines Reliefs, das den Triumphzug des Titus nach der Eroberung Jerusalems
darstellt. |
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Das ungeheure, in seinen wichtigsten Teilen durchgehends
aus wohlgefugten Quadern, im übrigen aus gebrannten Backsteinen erbaute Colosseum
schließt gleichsam das Forum ab und überragt alle übrigen Trümmer.
Im Colosseum, auf dessen amphitheatralisch sich erhebenden
Steinsitzen 80.000 Zuschauer bequem Platz hatten, fanden bekanntlich die Kampfspiele der
Gladiatoren statt; der Tod vieler Märtyrer stempelte dieses Amphitheater unter den
Päpsten zur geweihten Stätte. Als ich dieselbe zum ersten Male betrat, hielt soeben eine
Prozession von Mönchen singend ihren Umgang bei den Heiligenstationen; eine andächtige
Volksmenge kniete in der Abendbeleuchtung. -
Sehr lohnend, freilich auch sehr mühsam, ist das
Besteigen der Kuppel der Peterskirche; die Großartigkeit des oben sich darbietenden
Anblicks entschädigt indessen für die Anstrengung des Hinaufklimmens.
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Mittels einer endlosen Wendeltreppe erreicht
man zunächst die Galerie im Inneren der Kirche, von wo die Kuppel sich zu wölben
anfängt; hier erst bekommt man den rechten Begriff von der Größe aller Proportionen,
wenn man z. B. sieht, daß jeder einzelne Mosaikstein in den Gestalten der schwebenden
Engel, welche die ganze Kuppel ausfüllen, die Größe eines Backsteins hat, und erfährt,
daß die Feder, mit der der Apostel Johannes schreibt, sechs Ellen lang ist. |
Von der Galerie gelangt man zunächst auf das Dach - es
bildet eine kleine Welt für sich.
| Jahraus, jahrein sind hier
zahlreiche Arbeiter beschäftigt, die das kolossale Gebäude im Stande erhalten, ein
Brunnen befindet sich oben und eine Menge kleiner Kuppeln, von Fenstern umgeben, welche
Licht in die Kirche werfen. Alsdann beschreitet man den Aufgang zu der riesigen Kuppel -
ganz erschöpft erreicht man endlich die Plattform, auf welcher der sechzehn Menschen
bequem fassende Knopf mit seinem hohen Kreuze ruht.
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Welches einzige Panorama erquickt aber nun den Müden! Zu der ganzen Aussicht auf Rom, die
Campagna und die blauen Berge gesellt sich noch der Blick auf das Meer.
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