Louise Seidler (Fortsetzung)
Angenehm aber ward ich überrascht, als ich beim Emporsteigen die Villa Mills erreichte, welche auf den höchsten Teilen der Ruinen erbaut ist. Hier blühen Rosen in üppiger Menge; sie umranken die Trümmer, verschlingen sich zu Bögen, prangen in den Hecken und verbreiten sich wildwuchernd zwischen den Blumenbeeten. Von diesem Standpunkte aus genossen die Kaiser den Anblick der Spiele, die unten im Circus maximus gehalten wurden. P1120366 2.jpg (17508 Byte)

Lange weidete ich mich sinnend an der Rundschau, dann stieg ich hinab nach dem alten Forum. Hier konzentrierte sich das öffentliche Leben der Staatsbürger; hier standen die Tempel, deren ungeheure Trümmer wir noch jetzt bewundern; hier ist noch die Tribüne, von der herab gewaltige Reden ertönten.

 

P7270677 3.jpg (19011 Byte) Drei noch wohl erhaltene Triumphbögen steigen empor auf diesem merkwürdigsten aller Plätze; der des Septimus Severus dicht unter dem Capitol, der des Constantin nahe am Colosseum, und endlich der des Titus am Palatin.

 

 

Innerhalb des Titusbogens befinden sich Bruchstücke eines Reliefs, das den Triumphzug des Titus nach der Eroberung Jerusalems darstellt. P7250383 2.jpg (16751 Byte)

 

Das ungeheure, in seinen wichtigsten Teilen durchgehends aus wohlgefugten Quadern, im übrigen aus gebrannten Backsteinen erbaute Colosseum schließt gleichsam das Forum ab und überragt alle übrigen Trümmer.

Im Colosseum, auf dessen amphitheatralisch sich erhebenden Steinsitzen 80.000 Zuschauer bequem Platz hatten, fanden bekanntlich die Kampfspiele der Gladiatoren statt; der Tod vieler Märtyrer stempelte dieses Amphitheater unter den Päpsten zur geweihten Stätte. Als ich dieselbe zum ersten Male betrat, hielt soeben eine Prozession von Mönchen singend ihren Umgang bei den Heiligenstationen; eine andächtige Volksmenge kniete in der Abendbeleuchtung. -

 

Sehr lohnend, freilich auch sehr mühsam, ist das Besteigen der Kuppel der Peterskirche; die Großartigkeit des oben sich darbietenden Anblicks entschädigt indessen für die Anstrengung des Hinaufklimmens.

P7270617 2.jpg (21525 Byte) Mittels einer endlosen Wendeltreppe erreicht man zunächst die Galerie im Inneren der Kirche, von wo die Kuppel sich zu wölben anfängt; hier erst bekommt man den rechten Begriff von der Größe aller Proportionen, wenn man z. B. sieht, daß jeder einzelne Mosaikstein in den Gestalten der schwebenden Engel, welche die ganze Kuppel ausfüllen, die Größe eines Backsteins hat, und erfährt, daß die Feder, mit der der Apostel Johannes schreibt, sechs Ellen lang ist.

 

Von der Galerie gelangt man zunächst auf das Dach - es bildet eine kleine Welt für sich.

Jahraus, jahrein sind hier zahlreiche Arbeiter beschäftigt, die das kolossale Gebäude im Stande erhalten, ein Brunnen befindet sich oben und eine Menge kleiner Kuppeln, von Fenstern umgeben, welche Licht in die Kirche werfen. Alsdann beschreitet man den Aufgang zu der riesigen Kuppel - ganz erschöpft erreicht man endlich die Plattform, auf welcher der sechzehn Menschen bequem fassende Knopf mit seinem hohen Kreuze ruht.

 

 

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Welches einzige Panorama erquickt aber nun den Müden! Zu der ganzen Aussicht auf Rom, die Campagna und die blauen Berge gesellt sich noch der Blick auf das Meer.

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