Der sterbende Fechter
"Ein Jahr in Italien" von Adolf Stahr

Ich habe vorhin den sterbenden Fechter erwähnt. Vom Lateran kommend gingen wir heute auf das Kapitol, und ließen uns den Saal aufschließen, wo er steht.

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Da lag er vor uns auf seinem Schilde. Das Schwert ist ihm entsunken, aus der linken Brust rinnt das letzte Blutgetröpfel der Todeswunde. Die rechte Hand stemmt sich noch matt gegen den Boden, die linke ruht über dem linken Knie auf dem Schenkel des zusammengezogenen rechten Beines, über dessen untere Hüfte sich das linke schon sterbend hinstreckt. Alles, bis auf das zur rechten Seite geneigte Haupt, zeigt den Moment an, welcher dem "langhinstreckenden Tode" vorangeht. Das niederwärts gekehrte Antlitz verbirgt selbst unter den Schauern des nahen Todes den verhaßten Zuschauern noch stolz den Ausdruck des körperlichen und Seelenleidens. Allein mit sich und seinem Schmerze will er sterben. Aus dem geöffneten Munde scheint der letzte Athemseufzer zu dringen, die Augen starren und brechen, und unter dem aufwärts gesträubten Haare kraust sich die Stirn wie im Todesschauer. Noch ein Moment, und der stützende Arm wird zusammenbrechen und das sinkende Haupt sich auf ihm betten im Todesschlafe.

Es ist ein Häuptling, ein Barbarenfürst, der im Schlachtenkampfe bezwungen, oder durch Verrath gefangen, sein Leben hier im Lustmordkampfe zur Augenweide seiner Feinde verhaucht.

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Die Einzelformen des Körpers sind keinswegs besonders edle, wohl aber ist die Stellung des Kriegers, sein Hinsinken überaus schön gegeben. Ganz vorzüglich ist die Behandlung des struppigen Haares, welche mit derjenigen der Borsten des Ebers in den Uffizien große Ähnlichkeit hat. Hier wie dort glaubt man von ferne, die einzelnen borstigen Haare sich erheben zu sehen, während man, nahe hinzugetreten, erkennt, daß sie nur parthienweiß in derber Weise behandelt und mehr angedeutet als ausgeführt sind. Der Gesamteindruck ist ein tief tragischer. Jedermann wird von ihm ergriffen, auch die vielen Gleichgültigen, welche ein Museum nur unter schlechten Witzen und trivialen Redensarten zu durchwandeln lieben, verstummen vor dieser meisterhaften Darstellung des Todes. Viele der Beschauer dämpfen ihre Stimme zu einem Flüstern, wie an einem Sterbebette.

 
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