| Juno
Ludovisi Johann Wolfgang von Goethe "Seit gestern hab ich einen kolossalen Junokopf in dem Zimmer ... Es war dieser meine erste Liebschaft in Rom und nun besitz ich diesen Wunsch ... Keine Worte geben eine Ahndung davon, er ist wie ein Gesang Homers."
"Heute wallfahrteten wir zur berühmten Kolossal-Büste der Königin des Olympos. Nur durch Begünstigung wird die Thüre der Bibliothek im Seiten-Casino, wo sie steht, geöfnet. Und, wahrlich sie steht so übel in einem Winkel auf der Erde, daß man sich wohl schämen muß, sie zu zeigen. Gezwungen blickt man auf das Haupt der Himmelskönigin herab, das von einer Höhe von ca. 6m (welche nach den Proportionen die ganze Gestalt haben würde) Ehrfurcht gebietend auf uns hernieder schauen sollte. Es ist das erhabenste weibliche Gebilde,
über welchem kein Gedanke hinausschwebt! Im ewigen ruhigen Besitz aller Schönheit,
Größe, Macht und Herrlichkeit, bleibt ihr nichts zu wünschen übrig! Empfangen kann sie
nichts mehr. So stand sie vor mir; in unangetasteter Reinheit, Jungfrau, Weib, Mutter,
Alles ward sie ohne L i e b e und ohne L e i d ! Keine Spur der Vergangenheit ist diesen
ewig ruhigen Zügen eingedrückt; es spannt sie keine Ahnung der Zukunft; ewige Fülle der
Gegenwart umschwebt sie mit unsterblichem Leben. Aeusserste Vollendung der Bearbeitung des
Marmors, der erhabnen Stirn, der rundlichen Wange, des vollen ausgewölbten Kinnes, des
vollkräuselnden, glatt ums edle Haupt gelegten Haares; aber vor Allem und über Alles,
der still in die ungetrübte Seeligkeit ihres innern göttlichen Wesens zurückgesenkte
süße Blick ihrer schönen Augen, unterscheiden diesen hohen Lichtstrahl der Kunst vor
allen andern J u n o - Bildern." |
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