3. Römischer Spaziergang  (Fortsetzung)

Auch für das deutsche Leben im Rom des 19. Jahrhunderts war das Kapitol ein wichtiger Ort, deren Bauten hier noch bestehen und die wir nun aufsuchen werden.

In der Tradition des Humboldtschen Hauses existierte ein weiterer Kreis von Gelehrten und Künstlern. Sein Mittelpunkt war Barthold Georg Niebuhr, Nachfolger Humboldts als Preußischer Gesandter, und besonders sein junger Mitarbeiter Karl Christian Bunsen. Die Gesandtschaft befand sich im Palazzo Caffarelli, der zum Teil die Fundamente des alten Jupitertempels überdeckt. Wir gelangen zu ihm über die kleine Straße vor dem Konservatorenpalast. P7250370 2.jpg (29075 Byte)

Als Niebuhr 1823 die Stadt verließ, wurde Bunsen sein Nachfolger. Der Palazzo wurde für geraume Zeit die Heimstätte der Maler Julius Schnoor, Theodor Rehbenitz und Friedrich von Olivier, sie bildeten eine Malerkolonie, die zum Unterschied zu den katholischen Nazarenern den Namen der "Kapitoliner" erhielt. Bald folgten noch andere, die hier ihr Heim einrichteten, in deren Mitte die gastfreundliche Familie Bunsen stand. Auch war hier die Gesandtschaftskapelle, für den protestantischen Gottesdienst (!), im Erdgeschoß errichtet. Dieser Palast bildete einen Sammelpunkt aller geistigen Bestrebungen der Deutschen in Rom. Gerade für die Archäologie wurde der Palazzo Caffarelli ein wichtiger Mittelpunkt. Am 9. Dezember 1828 gründeten hier Bunsen, August Kestner, der Gesandte Hannovers, der zuvor den kleinen Kreis der Hyperboreer mitbegründete, sowie Eduard Gerhard, Bertel Thorwaldsen und Carlo Fea das Archäologische Korrespondenzinstitut, das sich später von einem preußischem zu einem deutschem Reichsinstitut entwickelte und bis heute seinen Weltruf behauptet hat.

1836 erhielt dieses Institut ein bescheidenes Heim mit Hilfe des Protektors des Instituts, des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm, in einem Neubau an der Via di Monte Tarpeo 24 a, zu dem wir über die breite Treppe und durch das Portal, die wir hinter dem Konservatorenpalast finden, gelangen.

P7250371 2.jpg (22079 Byte) In diesem Häuschen fanden die ersten Sitzungen statt. Fanny Mendelssohn berichtet uns hierüber sehr amüsiert in ihrem Italienischem Tagebuch. Der Bildhauer Emil Wolf hat das Giebelfeld mit allegorischen Figuren geschmückt. Der Bau entstand mit dem anliegendem protestantischen Krankenhaus. Da die Räumlichkeiten des Krankenhauses, der sogenannten "Casa Tarpea", nie völlig in Anspruch genommen wurden, logierten hier auch Künstler und Gelehrte.

 

Die Wohnungen lagen mit großartigem Blick zum Forumstal; dieses war Anlaß für viele begeisterte Niederschriften, die später oftmals in Reisebeschreibungen Einzug fanden. P7250372 2.jpg (12062 Byte)

 

P7250424 2.jpg (13497 Byte) 1877 wurde das Archäologische Institut durch den heutigen stattlichen Bau ersetzt. Hier wirkten dann so berühmte Wissenschaftler wie Wilhelm Henzen, Wolfgang Helbig und Christian Hülsen.
Als Gäste weilten hier: unter vielen anderen Ernst Curtius und Theodor Mommsen.

 

Besonders bemerkenswert finde ich, daß die Römer die "Gründungsinschrift" an ihrer Stelle belassen haben. P7250373 2.jpg (14965 Byte)

 

Dann geht es weiter durch Alleen und Terrassen rings um die Höhe des Kapitolinischen Hügels, bis wir wieder den Palazzo Caffarelli erreichen. Auch der kleine Garten mit dem großartigen Blick ist noch vorhanden. 1853 kaufte die preußische Regierung den Palazzo Caffarelli. Nach den politischen Umwälzungen des Jahres 1870 wurde der Palazzo Eigentum des deutschen Reiches als Residenz des kaiserlichen Botschafters beim Quirinal. Durch die Folgen des ersten Weltkrieges hat das Deutsche Reich alle seine Besitztümer auf dem Kapitol verloren.

 

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